Rhetorik - Negative Formulierungen bestätigen die Befürchtungen der Zuhörer
Tipp zum Seminar
Situation nach einer Unternehmensfusion. Die Belegschaft wird informiert:
"Wir kommen nicht als Feinde. Der Forschungsbereich wird nicht eingestellt. Niemand denkt daran, Ihren Standort zu schwächen."
Was würden Sie als Arbeitnehmer, der dies gehört hat, denken? In aller Kürze: Der Vortragende hat genau Ihre Befürchtungen mit Ihren Gedanken zusammengefasst.
Der Redner stellt damit dar, dass sich seine Gedanken um nichts anderes drehen, als um den Sieg über den Fusionspartner, die Einstellung des Forschungsbereichs und die Reduzierung oder Schließung des Standorts. Und er bestätigt damit die Befürchtungen der Arbeitnehmer.
"Wir möchten konstruktiv mit Ihnen zusammenarbeiten. Ihr Forschungsbereich wird in unserem neuen Konzern die Bedeutung erhalten, die dem Gewicht Ihrer Produktpalette entspricht. Dementsprechend sehen wir die Wichtigkeit Ihres Standorts."
Nüchtern betrachtet wird inhaltlich fast das selbe gesagt. Es wird jedoch ganz anders bei den Zuhörern ankommen.
Welche Glaubwürdigkeit Negativaussagen haben, wissen wir spätestens seit 1961, als Walter Ulbricht, erster Vorsitzender des Staatsrates der vergangenen DDR, verkündete:
"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten."
Versuchen Sie also positiv in Perspektiven zu denken - auch in schweren Zeiten. Wiederholen Sie nicht, auch nicht mit einer Verneinung, die Bedenken und Vorwürfe, die Ihnen entgegengebracht werden.
Sagen Sie, wie es ist. Sagen Sie nicht, wie es nicht ist.
Martin Adler
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