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Führungstraining - Everybody's
Darling: Everybody's Idiot?
Tipp zum Seminar
Harmoniebedürfnis - eine Falle?
Wer es im Berufsleben jedermann recht machen will, um sich damit
beliebt zu machen, wird oft nur eines ernten: den Spott der
Mitmenschen. Sie haben als Führungskraft ein starkes Bedürfnis nach
Harmonie? Damit sind Sie als Manager einer doppelten Belastung
ausgesetzt. Sie haben nämlich zwei "Herren" mit recht
unterschiedlichen Interessenlagen, denen Sie dienen: Ihre Mitarbeiter
und Ihren Chef. Was können Sie tun, um der beschriebenen Falle aus dem
Weg zu gehen?
Ja und Amen.
Wo liegt die Schwierigkeit, wenn Ihr Bestreben ist, für Harmonie zu
sorgen? Immer dann, wenn Sie reflexartig "Ja" sagen, wenn Sie um
Unterstützung gebeten werden, bewegen Sie sich einen weiteren Schritt
auf die Falle zu. Über lange Sicht heißt das, dass Sie mit Ihren
eigentlichen Aufgaben nicht mehr in der vorgesehenen Zeit fertig
werden, weil Sie andere unterstützen, um Ihnen zu gefallen. Das baut
vermeidbaren Stress auf und wird Sie zwangsläufig in die
Unzufriedenheit führen.
Wer anderen in den Hintern kriecht, muss aufpassen,
dass er ihnen nicht zum Hals heraushängt.
Dieses Zitat habe ich in einem meiner
Führungstrainings von
einem Kunden aufgeschnappt. Oftmals zählt am Arbeitsplatz einerseits
die Leistung und andererseits die Beliebtheit. Selten aber ist es so,
dass Leistungsträger auch automatisch beliebt sind. Im Grunde geht es
überhaupt nicht um Beliebtheit, sondern darum respektiert zu werden.
Menschen, die regelrecht süchtig nach Harmonie sind, setzen ihre
Prioritäten oft recht eigenwillig: Schnell hat das Gefühlsbedürfnis
nach Harmonie Vorrang vor den objektiven Erfordernissen. Menschen mit
einem stark ausgeprägten Helfersyndrom müssen beachten, dass sie nur
willkommen sind, wenn sie erbetene Hilfe leisten - alles andere wird
oft als Nötigung oder unzulässiger Eingriff empfunden. Übertriebene
Hilfsbereitschaft wird oft als verdächtige Anbiederung - "Schleimerei"
- empfunden und schon ist der Respekt im Eimer. Unternehmen und Teams
benötigen weniger Schmeichler, als Menschen, die ihre Vorstellungen
auch einmal im Gegenwind verteidigen können.
Ein hilfsbereiter Mitmensch ist so lange eine tolle Sache, wie er
seinem Umfeld unangenehme Aufgaben abnimmt. Spätestens, wenn das
gesamte Umfeld zutiefst zu Dank verpflichtet wäre, wird der
Hilfsbereite lästig. Als Antwort auf den Undank sind schließlich
Argumente wie "Ich wollte ja immer nur Ihr bestes ..." zu hören - in
sicheres Indiz dafür, dass etwas im Argen ist.
Ziel verfehlt?
Ergo sind die in der Gefühlswelt eines harmoniebedürftigen Menschen
vorhandenen Ziele in der Regel unerreichbar. Im Leben geht es meistens
nicht um Beliebtheit, sondern um Respekt. Wer will denn allen Ernstes
überall beliebt und nirgendwo respektiert sein? Ein Mensch, der allem
und jedem mit freundlicher Mine zustimmt und gerne dazu bereit ist,
auch die sinnlosesten Arbeiten willig zu übernehmen, wird auf längere
Sicht eher mitleidig belächelt als respektiert. Den Respekt der Umwelt
verdient der Mensch sich mit guten Leistungen, mit der Fähigkeit, sich
gelegentlich durchzusetzen, mit einem prägnanten Profil und damit,
seine Mitmenschen zu respektvoll zu behandeln.
Die Grenze zwischen Harmonie-Sucht und
Hilfsbereitschaft.
Wenn ein Mensch wirklich Hilfe sucht, Unterstützung braucht
oder aufgefangen werden muss, ist es ein guter, kameradschaftlicher
oder kollegialer Stil, einzugreifen.
Nur ein sehr harmoniebedürftiger Mensch wird Mitmenschen
unterstützen, die ihre Aufgaben aus Bequemlichkeit oder Faulheit
abschieben wollen. In diesem Fall ist ein freundliches, klares und
definitives "Nein" angebracht.
Springen Sie nicht mehr reflexartig auf, wenn Sie vermuten, dass
ein Mitmensch Ihre Hilfe braucht. Nichts, aber auch gar nichts hält
den Betreffenden davon ab, Sie höflich um Ihre Unterstützung zu
bitten, wenn er sie wirklich benötigt.
Sagen Sie nicht mehr spontan "Ja", wenn Sie um Unterstützung
gebeten werden. Hinterfragen Sie, warum Sie um Unterstützung gebeten
werden, z.B. mit der Frage
"Was ist denn der Grund, weswegen Sie gerade meine Unterstützung
suchen?"
Indizien für Harmoniesucht.
 | Unverhältnismäßig viele Überstunden |
 | Burn-Out, Depressionen, Erschöpfungszustände und leichte
Erregbarkeit |
 | De-Motivation und innere Kündigung |
 | Selten ist das Profil einer eigenen Meinung spürbar |
 | Reflexartige, unüberlegte "Ja"-Reaktionen auf Anforderungen |
 | Image "die gute Fee" oder "der Retter des Betriebsklimas" |
 | Lamentieren wegen des Undanks der Welt, z.B. "Ich wollte doch
immer nur unser Bestes ..." |
Harmoniebedürfnis als Gefahr.
Fast jeder von uns hat das Bedürfnis, bei Mitmenschen, Kollegen,
Mitarbeitern und beim Chef gut angesehen zu sein. Die magere Situation
auf dem Arbeitsmarkt trägt das ihrige durch den gestiegenen Druck dazu
bei.
Tendenziell sind mehr Frauen als Männer betroffen, weil die
"traditionelle Rollenverteilung" zwischen Mann und Frau dem
entgegenkommt. Nichtsdestotrotz ist die Wirkung für Männer genauso
verheerend wie für Frauen. Auch Neueinsteiger in Unternehmen tendieren
dazu, in diese böse Falle zu treten.
Die Auswirkungen sind in der Regel für Menschen im mittleren
Management am intensivsten, weil sie im Spannungsfeld zwischen ihren
Mitarbeitern, dem Chef und dem privaten Umfeld stehen - es in einer
solchen Konstellation allen recht machen zu müssen, kann nur in den
Burn-Out münden.
Was können Sie tun?
 | Selbsterkenntnis. Nur wenn Sie selbst überzeugt sind, dass für
Sie Handlungsbedarf besteht, können Sie wirkungsvoll handeln. |
 | Lernen Sie zu unterscheiden, wer Ihre Hilfe wirklich braucht und
wer nur Unangenehmes auf Sie abschieben möchte. |
 | Nicht mehr reflexartig aufspringen, wenn Sie vermuten, dass
jemand Ihre Hilfe benötigt. |
 | Versteckte Appelle identifizieren und nicht mehr darauf hören,
z.B.
"Schatz, im Kühlschrank ist kein Bier mehr." Antwort in
zukunftsträchtiger Form: "Stimmt!" |
 | Nicht mehr spontan "Ja" sagen, wenn Sie um etwas gebeten werden. |
 | Hinterfragen, was die Gründe für das Ersuchen an Sie sind. |
 | Bitten Sie bei Anfragen an Ihre Hilfsbereitschaft um Bedenkzeit
- manches erledigt sich für Sie dann wie von selbst. |
 | Sagen Sie klar "Nein". Versuchen Sie dabei, Begründungen nur
spartanisch oder gar nicht abzugeben. Sie bieten dem Gegenüber nur
Aufhänger, weiter zu bohren. |
 | Wenn Sie erkennen, dass Sie im bestehenden Umfeld nicht weiter
kommen, wechseln Sie Ihre Umgebung. |
 | Einige Psychotherapeuten können gut mit Helfersyndromen umgehen
- nutzen Sie das für sich. |
Der "Nein"-sagende "Ja"-Sager.
Everybody's Darling, also jedermanns Liebling, den keiner so
richtig respektiert, werden Sie damit nicht mehr sein. Dies war auch
nie Sinn und Zweck ihres Daseins.
Jemandes Liebling, also somebody's Darling, werden Sie auf jeden
Fall sein. Menschen, die wissen, was sie wollen, und was nicht, werden
viel eher respektiert, weil sie als profilierte Persönlichkeit
wahrgenommen werden.
Harmonie nein - Aggression ja?
Harmoniesucht ist der eine, und übertriebene Aggressivität der
andere Extrempunkt der Klimaskala. Damit sind beide Aspekte als
untauglich für das tägliche Leben zu klassifizieren. Wie in vielen
anderen Themen werden Sie zum Erfolg den goldenen Mittelweg bemühen
müssen:
Hilfsbereit, wenn wirklich nötig
Gesunder Biss
Angemessenes Durchsetzungsvermögen
Respekt vor den Mitmenschen
In jedem Falle rentiert es sich für Sie, sich auf den Weg zu
machen: Sie werden reichlich blockierte Energie befreien, die Ihnen
die Kraft zur Bewältigung der wesentlichen Dinge in Ihrem Leben geben.
Passendes Training:
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