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Bewerbertraining - Allgemeines Verhalten beim Bewerbungsgespräch
Tipp zum Seminar
Sie haben es mit Ihrer schriftlichen Bewerbung geschafft, Ihren potentiellen neuen Arbeitgeber von Ihren fachlichen Fähigkeiten zu überzeugen. Deshalb sind Sie zum Bewerbungsgespräch eingeladen worden. Das Bewerbungsgespräch soll im Wesentlichen zwei Fragen beantworten:
- Passen Sie als Person zu dem Unternehmen, bei dem Sie sich beworben haben? Dies ist die wichtigste Frage.
- Stimmen Ihre Angaben in der schriftlichen Bewerbung?
Die zweite Frage sollten Sie für sich unbedingt mit "ja" beantworten können. Was wird Ihnen ein Arbeitsverhältnis nützen, mit dem am vorzeitigen Ende Sie und Ihr Arbeitgeber unglücklich sind? Um einen glaubwürdigen Eindruck zu machen, sollten Sie alle Angaben aus der schriftlichen Bewerbung auswendig - am Besten als kleine Erzählungen ohne Umschweife - kennen. Bereiten Sie sich auch auf eine Frage á la "Warum möchten Sie ausgerechnet bei uns arbeiten" vor - informieren Sie sich dazu, was das Geschäft des Unternehmens ist. Lassen Sie sich nicht die Würmer - sprich die Fakten - einzeln aus der Nase ziehen! Benutzen Sie möglichst nicht die gleichen Worte, die Sie bereits in Ihren Schriftstücken verwendet haben. Nun zur ersten, der eigentlich herausfordernden Frage. So gerne Sie jetzt Ihr gesamtes schauspielerisches Talent zusammenkramen würden - lassen Sie's bleiben! Seien Sie so, wie Sie tatsächlich sind - also authentisch! Stellen Sie sich vor, Sie hätten mit Ihrer Schauspielerei Erfolg. Dann wäre es ja eine ganz andere Person als Sie selbst, die zur Firma passen würde. Und das würde wiederum eine Menge von Problemen nach sich ziehen, weil sich auf Dauer weder Ihr Arbeitgeber mit Ihnen noch Sie mit Ihrem Arbeitgeber wohl fühlen werden. Kein normaler Mensch schafft es, auf lange Zeit ein guter Schauspieler zu sein. Die Desillusionierung (das Ende der Illusionen) am Ende der Schauspielzeit führt nämlich oft in schreckliche Zustände, die dem Mobbing sehr ähnlich sind. Trotz alledem macht es Sinn, sich über seine eigenen "Manieren" Gedanken zu machen und gegebenenfalls bestimmter Verhaltensweisen abzulegen oder zu ändern. Für jedes Gespräch gilt: Der erste Eindruck ist der wichtigste; der letzte bleibt.
 | Das Äußere
 | Am Tag des Bewerbungsgesprächs ziehen Sie sich besser an, als sonst üblich. Allerdings ohne dabei zu übertreiben. Ein Personalchef wird kaum auf die Idee kommen, dass Sie auch zulangen können, wenn Sie sich als Lagerarbeiter im Frack bewerben. |
 | Achten Sie auf das Drumherum
 | Ordentlicher Sitz der Kleidung und Frisur |
 | Keine extremen Gerüche (am Besten kein Parfum, weil Sie nie wissen, ob der Personalchef ausgerechnet Ihr Parfum hasst) |
 | Dezente Schminke |
 | Dezenter Schmuck (Männer ohne Schmuck, weil Sie immer vermuten müssen, dass Ihr Gesprächpartner irgendwelche Ideen zum Thema Männer und Schmuck haben könnte) |
 | Keine Piercings, Tatoos und ähnliche Ver(un)zierungen (auch mir graust es vor dem Gedanken, Löcher in mich hineinbohren lassen zu müssen) |
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 | Vermitteln Sie mit Ihrem Äußeren, dass Sie sich auf solche besonderen Situationen wie das Bewerbungsgespräch einstellen können und wollen und dass Ihnen die Menschen in Ihrer Umgebung wertvoll sind |
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 | Anreise
 | Nehmen Sie Ihre gesamten Bewerbungsunterlagen sowie den Katalog der Fragen, die Sie an den potentiellen Arbeitgeber haben, mit |
 | Notieren Sie den Namen des Gesprächspartners, Anreisebeschreibung, Adresse und Telefonnummern |
 | Nehmen Sie Ihr Mobiltelefon mit |
 | Planen Sie ausreichend Zeit für die Anfahrt ein. Es ist viel besser für Sie, wenn Sie am Zielort noch Zeit für ein oder zwei Tassen Kaffee haben, als wenn Sie schweißüberströmt und abgehetzt zwei Minuten zu spät eintreffen. |
 | Sollten Sie wider Erwarten in eine mehrstündige Vollsperrung auf der Autobahn geraten, rufen Sie unbedingt Ihren Gesprächspartner an, sobald eine Verspätung absehbar ist. Nennen Sie dabei die aus Ihrer Sicht geringste Verspätungszeit, die eintreten wird. Sollte sich abzeichnen, dass sich noch mehr Verzug einstellen wird, rufen Sie wieder an. Der Personalchef kann sich dann Dingen widmen, die er ansonsten wegen der Warterei in nächtlichen Überstunden erledigen müsste. |
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 | Ankunft
 | Prüfen Sie nochmals den Sitz von Kleidung und Frisur |
 | Falls Sie zu feuchten Händen tendieren, waschen Sie sie kurz vor dem Gesprächstermin und trocknen Sie sie gut ab. |
 | Gegen Rauch- und andere Mundgerüche hilft ein scharfes Pfefferminzbonbon, das sich zum Beginn Ihres Termins allerdings "in Luft" aufgelöst haben sollte. Kommen Sie bloß nicht
Kaugummi kauend zu Ihrem Termin! |
 | Melden Sie sich 10 bis 15 Minuten vor dem Termin beim Empfang, Sie wissen nämlich nie, wie weit Sie noch zu Fuß unterwegs sein werden |
 | Stellen Sie sich mit Vor- und Nachnamen an der Rezeption vor, erklären Sie, dass Sie wegen eines Vorstellungstermins da sind und bitten Sie um eine Anmeldung bei Ihrem Gesprächspartner, den Sie mit Vor- und Nachnamen nennen |
 | Falls Sie gebeten werden, im Sitzen auf Ihren Gesprächspartner zu warten, nehmen Sie dies an. Setzen sie sich entspannt, jedoch formal korrekt hin. Ein angebotenes Getränk sollten Sie nur annehmen, wenn Sie keine schwache Blase haben. Verzichten Sie auf das Rauchen |
 | Denken Sie daran: in vielen Unternehmen hat die Rezeption alle Macht der Welt. Eine flapsige Bemerkung der Empfangsdame beim Personalchef über Sie kann das "Aus" bedeuten |
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 | Beginn des Termins
 | Klopfen Sie resolut an der Türe an; Geräusche im Inneren des Büros könnten Ihre Eintrittsbegehren übertönen. |
 | Stellen Sie sich mit Vor- und Nachnamen vor und begrüßen Ihren Gesprächspartner mit Handschlag. Frauen zuerst; höhere Dienstgrade zuerst. Vorsicht: nötigen Sie Ihr Gegenüber nicht zum Händedruck; auch ich habe schon Menschen erlebt, denen es vor dem Händeschütteln graust. Dosieren Sie den Händedruck so, dass Sie Sicherheit ausstrahlen, dass aber andererseits Ihr Gegenüber nicht vor Ihnen in die Knie gehen muss. |
 | Entschuldigen Sie sich für eine eventuell eingetretene Verspätung ohne irgendwelche Ausreden oder Begründungen |
 | Warten Sie auf die Aufforderung, sich zu setzen. Im Zweifelsfalle fragen Sie denn nach, welcher Platz denn für Sie frei ist. Ideal ist für Sie ein Platz, der in 90° zum Platz Ihres Interviewers ist, also am Tisch "übers Eck". |
 | Setzen Sie sich gerade und locker hin, Kniegelenke im 90° Winkel, Füße mit der ganzen Sohle auf dem Boden parallel in etwa 10-20 cm Abstand, Arme und Hände geöffnet. |
 | Beantworten Sie Höflichkeitsfragen mit ganzen Sätzen, jedoch ohne geschwätzig dabei zu sein.
 | Übrigens ... auch die Frage "Haben Sie gut einen Parkplatz gefunden?" kann dazu dienen, herauszufinden, ob Sie derzeit im Besitz eines Führerscheins sind. |
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 | Ein Getränkeangebot können Sie annehmen, wenn Ihre Blase das bis zum Ende des Gesprächs nach 45 bis 90 Minuten aushält. Ein Angebot zum Rauchen sollten Sie auch als passionierter Raucher unbedingt ablehnen. |
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 | Das Bewerbungsgespräch
 | Lassen Sie Ihr Gegenüber immer ausreden |
 | Bauen Sie Blickkontakt auf und halten Sie ihn über gas gesamte Gespräch |
 | Wenn Sie gestikulieren, dann ruhig, mit weiten Bewegungen in Brusthöhe, mit offenen und nach oben gerichteten Handflächen. Sehen Sie dazu unser kleines
Online-Training zur Körpersprache. Ansonsten legen Sie Ihre Hände mit den offenen Handflächen nach oben locker vor sich auf den Tisch. Nicht mit dem Stift spielen. |
 | Wenn Sie aufgefordert werden, Ihren Lebenslauf vorzutragen, machen Sie eine kleine, interessante Erzählung daraus
 | Geboren wann, wo |
 | letzte schulische Station |
 | Wehr- oder Zivildienst |
 | Ausbildung |
 | Berufliche Stationen mit den wichtigsten Tätigkeiten und Erfahrungen (immer in Bezug auf die Stelle, für die Sie sich bewerben) |
 | Verkaufen Sie das alles positiv; zu den kritischen Punkten werden Sie ohnehin befragt |
 | Werden Sie durch Nachfragen unterbrochen
 | Beantworten sie diese möglichst gleich (als Regel) |
 | Notieren Sie die Frage und bitten Sie um Zurückstellung bis ans Ende Ihrer Ausführungen (als Ausnahme, wenn Sie noch Zeit zum Überlegen der Antwort brauchen) |
 | Am Ende Ihrer Antwort fragen Sie gelegentlich nach, ob damit die Frage Ihres Gegenübers beantwortet ist; das zeigt Ihr Interesse an Ihrem Gesprächspartner |
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 | Antworten Sie auf alle Fragen in ganzen Sätzen. Denken Sie dabei auch an zusätzliche Dinge, die mit der Frage zu tun haben. Lassen Sie sich die Fakten nicht einzeln aus der Nase ziehen! Aber hüten Sie sich vor Geschwätzigkeit: alles, was Sie sagen, kann gegen Sie ausgelegt werden! |
 | Stellen Sie, so gut es geht, Ihren besonderen Nutzen im Zusammenhang mit der jeweils gestellten Frage dar |
 | Alles, was Sie sagen, muss wahr sein - aber sagen Sie um Himmels Willen nicht alles, was wahr ist! Die
Beantwortung besonders kritischer Fragen
behandeln wir in einer separaten Newsletterausgabe |
 | Nutzen Sie Denkpausen Ihres Gegenübers nicht dazu, wasserfallartig weitere Dinge über sich zu erzählen. Bleiben Sie ruhig, aufgeschlossen und halten Sie den Blickkontakt aufrecht. Vertrauen Sie Ihrem Interviewer: er wird das Gespräch leiten. |
 | Bleibt Ihnen bei einer Frage "die Luft weg", bitten Sie Ihr Gegenüber ausnahmsweise, die Frage nochmals zu erklären, weil Sie sie nicht verstanden haben. Eine andere Variante ist, dass Sie sich die Frage notieren: damit gewinnen Sie Zeit und zeigen Ihrem Gesprächspartner erhöhtes Interesse |
 | Legen Sie die Gehaltsfrage ziemlich ans Ende des Gesprächs, wenn Sie alle ihre Vorzüge aufzeigen konnten. Sie müssen sich vor dem Gespräch darüber informiert haben, was denn
realistische Einkommen für die Position, auf die Sie sich bewerben, sind |
 | Versuchen Sie, Ihre eigenen Fragen jeweils im Anschluss an Ihre Antworten zu stellen, wenn es thematisch hineinpasst. Notieren Sie sich die Antworten: das gibt Ihnen eine kleine Erholungspause |
 | Das Gespräch geht seinem Ende entgegen, wenn Detailfragen zum Arbeitsverhältnis, z.B. Antrittsdatum, Urlaubstage usw. behandelt werden. Jetzt ist auch die Zeit, Ihre restlichen Fragen loszuwerden. |
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 | Ende des Gesprächs
 | Vereinbaren Sie unbedingt mit Ihrem Interviewer die nächsten Schritte sowie den genauestmöglichen Termin für den nächsten Schritt. Als Vereinbarung ist o.k., wenn es z.B. heißt "bis spätestens Ende der kommenden Woche werden wir ...". "Im Laufe des kommenden Monats ..." ist sicherlich zu wage. Diese Festlegung bietet Ihnen die Basis, um später qualifiziert nachzuhaken. |
 | Bedanken Sie sich für das Gespräch und die Zeit, die sich Ihr Interviewer für Sie genommen hat. |
 | Hüten Sie sich auch jetzt noch vor munterem Geplapper: der Personalchef ist auch nach dem Gespräch noch Personalchef! |
 | Verabschieden Sie sich mit einem Händedruck. |
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Weitere Informationen: Weitere Fragen zum Verhalten in Reden und Gesprächen werden
in der Rubrik für Rhetorik und Dialektik behandelt.
Ihre Fragen, z.B. "Was antworte ich auf die Frage des Personalers ... ?" können Sie uns an
Service@Martin-Adler.org mailen. Wir werden Sie entsprechend unserer Erfahrungen beantworten. Die eine oder andere
Frage im
Bewerbungsgespräch beantworten wir in einer separaten Tipp-Ausgabe.
Passendes Training:
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